Warum ich meinen Hund nicht mehr Operieren lasse...

Jill ist 10. Jill hat wieder Mammatumoren. Wir haben als Familie jetzt beschlossen, dass sie nicht mehr operiert wird. Diese Entscheidung war besonders für mich nicht leicht. Aber wir haben sie heute unserer Tierärztin mitgeteilt und zu meiner Überraschung hat diese nicht mal versucht, mich vom Gegenteil zu überzeugen... wie es dazu kam:

Zuerst einmal: diese Entscheidung ist keine finanzielle gewesen.

 

Mammatumore sind Tumore an der Milchleiste bzw. am Gesäuge der Hündin. Wir kennen das Problem auch schon. Jill wurde schon einmal operiert an der Milchleiste inkl. Kastration, als sie sieben Jahre alt war. Im Grunde war auch das damals schon ein gutes Alter sowohl für einen Dobermann, als auch für einen Boxer. Damals war die Entscheidung für uns sofort klar.

 

Nun ist es leider wieder soweit gewesen - da war eindeutig ein Knoten zu ertasten. Also bin ich mit ihr zum Tierarzt gefahren. Im Alter von 10 Jahren, bald 11 hat meine Jilly noch ein paar andere Baustellen, Arthrose in der Schulter, die Zähne sind auch nicht mehr im besten Zustand. Trotzdem geht es ihr diesen Sommer super. Sie schwimmt und hält mit den zwei Jungspunden super mit. Beim Tierarzt haben wir dann die verschiedenen Möglichkeiten erörtert: eine OP, Chemo, Aprikosenkerne, Spinnengift, ... und ich wurde mit all' den Infos nach Hause geschickt.

Auf der Heimfahrt war ich auch noch voll davon überzeugt, dass wir das volle Programm starten ... denn ich wollte meinen Hund ja noch lange behalten.

 

Zuhause angekommen setzte langsam meine Vernunft ein und ich begann mich zu informieren. Irgendwann kam die Erkenntnis, dass ICH meinen Hund noch lange behalten will. Was will aber mein Hund? Ich habe noch zweimal mit der Tierärztin gesprochen, mit dem Mann, dem Jill quasi früher gehörte. Mit dem Waupapa und bin zu dem Schluss gekommen, dass es einfach nur purer Egoismus wäre, diesen Hund jetzt noch einmal aufzuschneiden. Würde ich mit 80 noch diesen ganzen Krams versuchen, jetzt würde ich sagen "NEIN". Ich würde meine Kohle vom Konto nehmen, reisen und den Rest versaufen. Wahrscheinlich auch wieder anfangen zu rauchen. (Wie das dann in dem Moment aussieht, kann ich natürlich nicht sagen.)

 

Zu den Fakten: der Mammatumor kann gutartig, aber auch bösartig sein. Das weiß man nicht, bevor man ihn rausschneidet, da punktieren bei Hunden nix bringt, denn die Tumoren bestehen aus Mischgewebe. Die Wundheilung kann super gut, aber gerade bei Hunden in dem Alter auch sehr schleppend verlaufen. Die Wunde würde nahezu über die komplette Brust verlaufen. Ob das ganze etwas gebracht hat, weiß man erst, wenn die OP stattgefunden hat und ein paar Wochen vergangen sind, denn auch Röntgenbilder der Lunge können nicht eindeutig belegen, dass der Tumor nicht schon gestreut hat und es noch weitere in der Lunge oder an anderen Organen geben wird. Die Milchleisten werden nicht zusammen entnommen, sondern es würden ggf. mehrere OPs stattfinden.

Es gibt Hündinnen, die noch mehrere Jahre mit den Knoten leben, es kann aber auch dazu kommen, dass sie aufgehen oder eben streuen.

 

Tja und nun komme ich und muss entscheiden, was zu tun ist. Ich habe mir meinen Hund angeschaut und mein Bauch hat gesagt, das machen wir nicht. Frauchen wird nicht machen, dass es dir jetzt, wo es dir so gut geht, unnötig schlecht geht. Du darfst noch so lange dein Leben genießen, wie es eben geht. Gesagt, getan. Das Futter habe ich sofort umgestellt: mehr Eiweiß, mehr Fett, keine Kohlehydrate (Ob das was bringt, weiß ich nicht. Aber ich will mein Bestes gegeben haben.). Die Aprikosenkerne sind unterwegs.

 

Ich also auf Krawall gebürstet zu meiner Tierärztin gefahren und ihr gesagt, dass ich das nicht mehr mache. Es gibt keine OP. Ich war auf jedes einzelne Gegenargument gefasst ... und dann ... nickt sie einfach, sagt, dass sie es vernünftig findet und man manchmal eben auf seinen Bauch hören muss. Wenn es ihr dann tatsächlich schlecht geht, dann sehen wir weiter. (OK, das war einfacher, als erwartet.)

 

Nun zu unserem Plan: ich werde meinem Hund ein schönes Leben machen, solange es geht. Extrawürste bekommt sie hier eh schon genug gebraten. Nun noch eine Diät. Damit machen wir weiter. Ja ich bin jetzt schon traurig, aber ich kann meinen Seelenhund auch mit der OP nicht unsterblich machen. Also drückt uns die Daumen, dass wir trotz der doofen Knoten noch 1, 2, 3 ... viele Jahre zusammen haben ... und irgendwie beneide ich die Hunde darum, dass man diese Entscheidung treffen kann.

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Kommentare: 6
  • #1

    Claudi (Freitag, 16 September 2016 11:43)

    Das ist wirklich eine schwere Entscheidung! Aber ich finde es großartig, dass du dich gegen deinen Wunsch für deine Hündin entschieden hast und sie nicht unnötig quälen möchtest. Das ist extrem vernünftig und wirklich eine sehr große Liebeserklärung von dir an dein Tier. Ich wünschte mir, dass mehr Menschen so mutig wären und ihre eigenen Wünsche zurückstellen, zum Wohle der Tiere. Ich drücke ich ganz sehr die Daumen, dass Jilly noch eine beträchtliche Zeit lang ohne große Schmerzen mit euch leben und die Liebe von euch genießen kann. :*

  • #2

    Tina (Freitag, 16 September 2016 16:26)

    Ich kenne diese Situation leider nur zu gut. Vor vielen Jahren hatte meine damals 14 Jährige Zwergpudeldame auch alles, was man an Krankheiten nur haben kann. Auch hatte der Tierarzt große Tumore festgestellt, die "eigentlich" operiert werden müssten. Ich habe abgelehnt, wollte keine OP für mein Tier haben. Anbetrachts des hohen Alters, ( auch einen 98 jährigen Menschen operiert man mit nicht mal eben so locker) habe ich wohl die schwerste Entscheidung meines Lebens getroffen und habe sie gehen lassen.
    Ich wünsche Euch auf jeden Fall noch recht viele glückliche Momente mit Jilly und finde die Entscheidung, sie nicht operieren zu lassen, goldrichtig.

  • #3

    Sonja (Sonntag, 18 September 2016 20:44)

    Genau die gleiche Geschichte hab ich mit meiner süßen (Bordercolli-Schäferhundmix). Wurde auch schon 2 mal operiert und Gebärmutter wurde auch mit entfetnt. Nun hat sie wieder Tumore und ich habe mich genau so entschieden wie du. Ich finde das War die richtige Entscheidung. Ich hoffe das es deiner Maus weiterhin so gut geht und ihr noch eine ganz lange und schöne Zeit zusammen habt.
    Und magst du mir verraten wie du die Aprikosenkerne dosiert? Überall findet man was anderes.
    Alles liebe euch beiden.

  • #4

    Jenny (Dienstag, 20 September 2016 20:35)

    @Sonja: Dankeschön, bis jetzt geht es ihr ganz gut, bis auf die Tatsache, dass wir wissen, ... ich soll mit einem anfangen und bei einem 30 Kilohund später bei 2-3 pro Tag sein, wenn alles klappt und je nach Zustand/Verträglichkeit und Wirkung.

  • #5

    sabine krenn (Mittwoch, 21 September 2016)

    von wem hast du die info bezüglich dosierung?
    ich hab gelesen, man beginnt mit 5 und erhöht dann langsam auf 1 kapsel pro kg hund
    aber man sollte gleichzeitig auch enzyme, wobenzym geben

  • #6

    Jenny (Mittwoch, 21 September 2016 20:48)

    Moin Sabine, von einer Tierheilpraktikerin der ich Jill vorgestellt habe. Ich hab aber bittere Kerne zum mörsern/mahlen übers Futter bekommen, keine Kapseln. Wobenzym haben wir auch ... soweit ich verstanden habe aber
    gegen eventuelle Schmerzen und Heilbeschleunigung?